Das Konzept der Zeiten erscheint in der Heiligen Schrift aus mindestens zwei Perspektiven: Erstens veranschaulicht es die zwei Lebensphasen, die einander untrennbar folgen – die erste dient dem Sammeln oder Bauen, die zweite dem Genießen der Ernte oder dem Trotzen vor den Naturgewalten. Zweitens steht dieses Konzept für die Bauphasen eines Bauwerks, in denen jeder entsprechend seinen Fähigkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt und für eine bestimmte Dauer zum Einsatz kommt und dann die Verantwortung an seinen Nachfolger weitergibt.
Nachdem wir im vorangegangenen Artikel den ersten Fall untersucht haben, in dem sich unsere Verantwortung auf den gesamten Prozess erstreckt, werden wir uns nun mit dem Fall befassen, in dem sie sich auf nur eine Phase des Prozesses beschränkt.
Verantwortlich für einen Prozessschritt: Errichtung eines Gebäudeteils, anschließend Schaffung von Platz für einen anderen
Wie im ersten Fall werden wir den Kontext anhand eines Bildes verdeutlichen, das Christus während seiner Begegnung mit der Samariterin gab. Um zu zeigen, dass die Menschen in Samaria nun bereit waren, das Evangelium anzunehmen, sagte der HErr Folgendes:
„Saget ihr nicht selber: Es sind noch vier Monden, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte; und wer da schneidet, der empfänget Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da säet und der da schneidet. Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser säet, der andere schneidet. Ich habe euch gesandt zu schneiden, das ihr nicht habt gearbeitet; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit kommen.“
Im ersten Kapitel sahen wir, wie die Ameise sich um den Sommer und die Ernte kümmerte (Sprüche 6,6–8), doch hier führt uns der HErr ein anderes Beispiel vor Augen: „Dieser säet, der andere schneidet.“ Wir könnten es auch in unseren eigenen Worten ausdrücken: Dieser arbeitet im Sommer, der andere zur Erntezeit, oder auch: Dieser arbeitet im Frühling, der andere zur Erntezeit.
Das erste Kapitel hatte also zum Ziel, uns durch die Nutzung der ruhigen Jahreszeiten und des „Sommers“ zur göttlichen Weisheit zu führen, um uns auf die Zeiten der Prüfungen und der „Ernte“ vorzubereiten. Hier geht es uns jedoch darum, das Konzept des Leibes im Aufbau der Kirche im Zusammenhang mit den Jahreszeiten zu verstehen; darum, zu erkennen, wie man so arbeiten kann, dass ein anderer die Arbeit eines Vorgängers übernehmen oder aber fortsetzen kann, wobei das begonnene Werk respektiert wird.
Verantwortlich für einen Prozessschritt: Illustrationen
Dieses Prinzip finden wir in gewissem Maße zu verschiedenen Zeiten im Alten Bund; aber beim Apostel Paulus werden wir tiefer in die Materie eindringen.
- Mose und Josua über das Thema des Einzugs ins verheißene Land
Moses hielt am Eingang zum verheißenen Land an und stärkte Josua, damit dieser das Volk dorthin führen konnte.
- David und Salomo bezüglich des Baus des Tempels
David bereitete alles Notwendige für den Bau des Tempels vor und überließ es dann seinem Sohn, der für den Bau des Gebäudes verantwortlich war.
Mit etwas Abstand betrachtet, erkennt man, dass die Fälle von Mose und Josua oder auch David und Salomo in Wirklichkeit Bilder von Christus und seinem Heiligen Geist sind, den Er uns hinterlassen hat und durch den Er seine Kirche, sein Reich, seinen Tempel aufbaut.
- Paulus und Apollos (1. Korinther 3:4-15)
Durch diese Lehre veranschaulicht der Apostel Paulus auf wunderbare Weise die Anwendung der Lehre, die der Herr bereits am Eingang nach Samaria verkündet hatte. Insbesondere diese Aussage:
„Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig worden, und dasselbige, wie der HErr einem jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen, aber GOtt hat das Gedeihen gegeben.“
-
- Verantwortlich für die Stiftung
Die beiden Kapitel laufen in diesem Abschnitt zusammen. Der Apostel Paulus erinnert uns daran, dass das Fundament das Fundament eines Hauses ist – der Teil, der es über die Zeit und trotz Stürmen trägt. Daher ist die Verantwortung dessen, der in Christus ein Kind schenkt (Galater 4,19), oder besser gesagt, der die Verantwortung trägt, einen Neubekehrten im Glauben zu unterweisen, immens. Diese Verantwortung liegt nicht nur in der Qualität der Lehre, sondern auch in der Fürbitte im Verborgenen, denn, wie der Apostel so treffend betont, ist es GOtt, der das Gedeihen gibt!
- Verantwortlich für die Stiftung
-
- Verantwortlich für das Errichten der Mauer
Wer die Mauern baut, muss stets das Fundament im Blick haben; er weiß, welcher Teil des Bauwerks eine bestimmte Last tragen kann. Anders gesagt: Er weiß immer, was er betonen und was er gegebenenfalls wiederholen muss, während er nach und nach die Lehren vermittelt. Doch der Schlüssel bleibt derselbe: Er muss unermüdlich Fürbitte einlegen, denn letztlich ist es GOtt, der das Gedeihen gibt!
- Verantwortlich für das Errichten der Mauer
Ein letzter Punkt ist anzumerken: Zwar müssen wir jeder Form von Irrlehre, die in die Kirche eindringt, entschieden entgegentreten, doch dürfen wir gleichzeitig die Herde des HErrn nicht unnötig in Verwirrung stürzen, indem wir die Lehren unserer Vorgänger nicht vorschnell und negativ auslegen. Der Apostel Petrus beweist diese Weisheit, wenn er über Paulus spricht:
„Und die Geduld unsers HErrn achtet für eure Seligkeit, als auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. Wie er auch in allen Briefen davon redet, in welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche verwirren die Ungelehrigen und Leichtfertigen wie auch die andern Schriften zu ihrer eigenen Verdammnis.“ (2. Petrus 3,15-16)
Deshalb beten wir am Ende dieses Kapitels darum, dass der Herr jeden von uns in seiner individuellen Berufung und seiner Beteiligung am Aufbau der Kirche Christi leiten möge: in unseren Familien, in unseren Nachbarschaften und in unserem beruflichen Umfeld. Möge Gott uns während unserer Zeit in diesen Bereichen und hier auf Erden, als diejenigen, die pflanzen oder aber gießen, die Gnade schenken, seine Erwartungen an uns voll und ganz zu erfüllen und so den Weg für unsere Nachfolger zu bereiten!
Möge Er uns all jene offenbaren, mit denen Er uns zur Zusammenarbeit in diesem wunderbaren Werk berufen hat!
Im mächtigen Namen des HErrn JEsus Christus! Amen!
Kommentar schreiben